Die Haltung von Haustieren ist in österreichischen Gefängnissen nicht erlaubt. Allerdings widersetzen sich einige tierische Mitbewohner*innen den strengen Vorgaben.

Dazu gehören Wetterhähne, Metallkäfer und -spinnen ebenso wie Holzstörche und Ledermäuse, hergestellt in Handarbeit von den Insass*innen der Justizanstalten Garsten, Sonnberg, Simmering, Salzburg, Klagenfurt, Karlau und Stuben. Diese und andere Unikate können im vom Justizministerium initiierten Jailshop erworben werden.

Tiere im Einsatz

Auch in der Schweiz setzt man auf tierische Unterstützung und hat in der Anstalt Saxerriet Katzen und Schweine im offenen Männerstrafvollzug im Einsatz. Mit Ojiim, einem Nova Scotia Duck Tolling Retriever, wurde vor Kurzem zusätzlich ein Hund verpflichtet. Anders als sein im Polizeidienst stehender österreichischer Kollege, Kommissar Rex, kommt er auch ohne Titel seinen Aufgaben in der „Bildung im Strafvollzug“ (BiST) nach. Der Kommissar hat sich, nachdem er von 1994 bis 2004 zehn Jahre Wurstsemmel kauend im ORF ermittelte, in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Diese Dienstzeit ist übrigens unter österreichischen Polizeihunden vor einem Pensionsantritt üblich. Gänzlich andere Ideen für tierische Einsätze im Strafvollzug verfolgte Indonesien. 2015 ließ der Chef der Anti-Drogen-Behörde mit dem Vorschlag, Gefangene auf einer Insel von Krokodilen bewachen zu lassen, aufhorchen. Hierzulande setzt man zwar weiterhin auf menschliches Wachpersonal, trotzdem sind schon einige Krokodile im Einsatz.

Wort des Monats: Das „Krokodü“

Im Unterschied zu ihren Kolleg*innen, den „Weißen Mäusen“, die vorwiegend Staatsbesuche eskortieren, sind sie nur wenigen bekannt. Ihre Transportdienste sind zwar ebenso exklusiv, allerdings würden ihre Passagiere den Transport wohl niemals freiwillig in Anspruch nehmen. Schließlich ist mit „Krokodü“ ein Bus gemeint, der den so genannten „Linientransport“ zwischen den Anstalten regelt. Wie sich so eine Fahrt gestaltet, beschreibt ein ehemaliger Fahrgast in der Stadtzeitung Augustin mit folgenden Worten:

In dem Bus sind kleine „Kabinen“ für je vier (ca. 2,5 Kubikmeter) bzw. eine Person (ca. 1 Kubikmeter) eingebaut. Sie haben Holzsitze und etwa 10 cm hohe und 80 cm breite „Fenster“. Eingepfercht und gut verriegelt komme ich mir vor, wie Transportvieh. Einem Tier steht mehr Platz zu.

Aus einem Gefängnistagebuch von Georg Huß, Augustin vom 13.11.2015

Grüner Heinrich“

Die ersten Arrestantenwagen, die Gefangene zwischen den Dienststellen der Polizei, den Arrestantenhäusern und den Gerichten transportierten, waren in Wien um 1870 im Einsatz. Die geschlossenen Wagen wurden durch echte Pferdestärke gezogen und aufgrund ihrer Farbe von der Bevölkerung „grüner Heinrich“ genannt. Ein Modell ist in der polizeigeschichtlichen Sammlung des Bundesministeriums für Inneres ausgestellt.

Krokodue das tierische Wort des Monats im Februar 2021

Über diese Rubrik

Da Justizanstalten in unserer Gesellschaft nach wie vor Randerscheinungen sind, möchten wir einen Blick in den Alltag hinter Gittern werfen. Im Rahmen dieser Blickpunkte-Rubrik werden Ausdrücke der österreichischen Gefängnissprache vorgestellt. Die Wörter oder Redewendungen werden zusätzlich grafisch aufbereitet, um sie in sozialen Netzwerken verbreiten zu können. Denn ein mehr an Aufklärung kann vielleicht dazu beitragen, sozialer Stigmatisierung entgegenzuwirken, Klischees abzubauen und einen Beitrag in Richtung mehr Qualität in der Debatte leisten.

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Zum Schluss noch ein Recherche-Juwel

Der ehemalige Chef der „Weißen Mäuse“ wurde von seinen Kolleg*innen „Blacky“ gerufen, raten Sie mal warum? Eine kleine Hilfestellung finden Sie hier

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