Eine alte nautische Weisheit besagt: „Kleine Häfen laufen bald über.“
Man lernt bekanntlich nie aus, daher hat sich die Redaktion für einen ganz besonderen Sprachkurs entschieden. Im Blickpunkt stehen dabei sogenannte Austriazismen der Gefängnissprache.

Wörter also, die nur in der österreichischen Variante der deutschen Sprache auftreten und zumeist außerhalb von Österreich nicht existieren, kaum verstanden werden oder eine andere Bedeutung haben. So kann man die eingangs erwähnte Weisheit auch als Warnung in Bezug auf den österreichischen Straf- und Maßnahmenvollzug verstehen. Die steigende Anzahl der Untergebrachten, mangelhafte Sachverständigen-Gutachten und viele weitere Missstände sind seit Jahren bekannt. Eine Reform lässt aber nach wie vor auf sich warten.

Das Leben hinter Gittern

In unserer Gesellschaft sind Justizanstalten Randerscheinungen. Die wenigsten Menschen haben eine konkrete Vorstellung vom „Leben hinter Gittern“. Einem Leben in einer streng reglementierten und von außen abgeschotteten Welt. Die mediale Berichterstattung, so sie lediglich skandalisiert, trägt nicht unwesentlich zur Verbreitung klischeebehafteter Vorstellungen bei. Einen Einblick in den Alltag im Vollzug erlaubt die spezifische Sprache, die in Gefängnissen zur Verständigung verwendet wird. Diese wird nicht nur von den Insass*innen, sondern auch vom jeweiligen Personal verstanden und mitunter auch aktiv verwendet.

Wort des Monats

Im Rahmen dieser neuen Blickpunkte-Rubrik werden Ausdrücke der österreichischen Gefängnissprache vorgestellt. Die Wörter oder Redewendungen werden zusätzlich grafisch aufbereitet, um sie in sozialen Netzwerken verbreiten zu können. Denn ein mehr an Aufklärung kann vielleicht dazu beitragen, sozialer Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Wir starten mit „Häfen“

Der österreichische Ausdruck für „Gefängnis“ hat auch Eingang in die Alltagssprache gefunden. Zwar versteht man in der Alpenrepublik unter einem Häfen auch einen Topf, geübte Wiener*innen werden in der Regel aber zunächst an eine Justizanstalt denken. Die Schreibweise des Begriffs variiert, so bevorzugen unsere „Häfn Briada“ eine sehr gängige Variante.

der oder das Häfen bedeutet umgangssprachlich soviel wie Kochgeschirr oder Topf und wird im Volksmund und der Gaunersprache auch als Ausdruck für Gefängnis verwendet

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