Spätestens seit 2014, als weltweit mehr oder weniger prominente Menschen sich selbst mit einem Eimer Eiswasser überschütteten und zum Beweis ein Video davon ins Netz stellten, sind sogenannte „Challenges“ ein fester Bestandteil der Medienkultur.

Die „Ice Bucket Challange“ erreichte im Sommer 2014 nicht nur öffentliche Aufmerksamkeit, sondern konnte binnen 30 Tagen über 100 Millionen US-Dollar an Spendengeldern für die ALS Association lukrieren. Eine NGO die sich dem Kampf gegen die Amyotrophe Lateralsklerose verschreiben hat, einer unheilbaren Erkrankung des Nervensystems, die zu fortschreitender Lähmung der Muskulatur führt.

Jerusalema

Sechs Jahre nach dem kollektiven Eisbad, sorgt eine neue Herausforderung begleitet vom eingängigen Ohrwurm „Jerusalema“ für Rekordbeteiligung und ganz nebenbei für gute Laune. Das bereits im November 2019 veröffentlichte Lied des südafrikanischen Produzenten und Komponisten Master KG und der Sängerin Nomcebo Zikode hat es zum Sommerhit 2020 geschafft. Dank unzähliger Videos, in denen Menschen gemeinsam tanzen, wird er als Pandemie-Song in Erinnerung bleiben. Dies vor allem auch deswegen, da zahllose Videos Menschen zeigen, die in jenen Berufen arbeiten, die existenzielle Lebensbereiche abdecken und damit unser gesamtes System (nicht nur) während der Pandemie am Laufen halten.

Bewusstsein schaffen

So etwa Videos vom tanzenden Krankenhauspersonal, die aber mehr als nur gute Unterhaltung bieten wollen. Sie sollen zu mehr Bewusstsein in der Öffentlichkeit beitragen und ermuntern, weitere Ansteckungen zu verhindern. Damit sind sie quasi zur tanzenden Fortsetzung der Schilder „We stay here for you. Please stay home for us.“ („Wir bleiben für euch hier – bleibt ihr bitte für uns zuhause!“) geworden, die zu Beginn der Pandemie weltweit von Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen und vielen anderen im Gesundheitsbereich Tätigen in den sozialen Netzwerken geteilt wurden.

Tanzende Uniformen in der JA Eisenstadt

Uniformiertes Wachpersonal der JA Eisenstadt bildet einen Tanzkreis c:Justizanstalt Eisenstadt

Die Fähigkeit einer weltweiten Verbreitung, ist also nicht allein einem Virus vorbehalten. Das stimmt nach Monaten der Pandemie zumindest etwas hoffnungsfroh. Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen der Justizanstalt Eisenstadt und nahmen ein vierminütiges Video auf, in dem das uniformierte Anstaltspersonal das Tanzbein zu Jerusalema schwingt. Besonders tanzerfahren dürfte das Team unter der Leitung von Harald Lipphart-Kichmeier zunächst nicht gewesen sein, daher holte man sich die Unterstützung des gemeinnützigen Vereins Union Eisenstadt Turnen (UTE). Der Sportverein half mit zwei Choreographinnen, den Tanz einzustudieren. Das Ergebnis ist eine rhythmische und optische Tanzeinlage, die sich sehen lassen kann!

Schutz der Insass*innen

Insass*innen der JA Eisenstadt sucht man allerdings vergeblich im Video. Dieses Vorgehen ist nicht zuletzt auch im Lichte der Diskussion um ein „Recht auf digitale Resozialisierung“ nicht unbedeutend. Schließlich kann nicht abgeschätzt werden, wie lange Aufzeichnungen im Netz verfügbar bleiben und welche Konsequenzen eine Beteiligung in ferner Zukunft haben könnte. So ist etwa denkbar, dass nach Ablauf der Tilgungsfrist und der damit verbundenen Löschung rechtskräftiger gerichtlicher Verurteilungen in der Strafregisterbescheinigung und in Strafregisterauskünften, per Suchmaschine trotzdem festgestellt werden kann, dass sich eine Person in der Vergangenheit strafbar gemacht hat.

Auftritt des „Frosch“

Dafür fährt im Video ab Minute 2:20 auch der sogenannte „Frosch“, der Justizwachebus, vor. Blaulicht inklusive. Einem anderem Tier, dem „Krokodü“, ist unser nächstes Wort des Monats gewidmet.

Tanzende Justizwachebeamtin c: Justizanstalt Eisenstadt

Das Video

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