Anlässlich des bevorstehenden Muttertags am 9. Mai lud die österreichische Plattform „Mutternacht“ am 5. Mai 2021 zum Mediengespräch.

Schwangere, gebärende und stillende Mütter in Gefängnissen sind sehr verletzlich, nur zu oft wird auf sie und ihre Bedürfnisse – sowie jene ihrer Kinder – vergessen. Die Plattform spricht sich dafür aus, nach Alternativen zu einem Gefängnisaufenthalt für Mütter kleiner Kinder zu suchen.

„Falls ein Gefängnisaufenthalt unvermeidbar ist, muss die Umgebung den Bedürfnissen von Mutter und Kind angepasst werden. Ein enger und regelmäßiger Kontakt zwischen Mutter und Kind ist extrem wichtig. Eine Trennung ist möglichst zu vermeiden. Schwangere und Gebärende dürfen bei Untersuchungen außerhalb des Gefängnis nicht gefesselt werden, ebenso wenig bei der Geburt, die unbedingt in einem Spital stattfinden soll, um Mutter und Kind keinen zusätzlichen gesundheitlichen Gefahren auszusetzen. Die Gesundheit von Mutter und Kind muss auch nach der Geburt von ausgebildetem Gesundheitspersonal begleitet werden. Frauen müssen im Gefängnis Zugang zu Verhütungsmitteln haben und legal abtreiben können, sofern sie das wünschen“.

Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung und Gründerin der Plattform Mutternacht 

Auch wenn die Rechte inhaftierter Schwangerer und Mütter in Österreich geregelt sind, so gibt es doch Herausforderungen in diesem Bereich, die nicht dem üblichen Gefängnisalltag entsprechen: Es braucht für werdende Mütter besondere Ernährung und Kleidung, die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen werden außer Haus gemacht, Hebammen kommen zur Nachbetreuung in die Justizanstalt und es wird dafür gesorgt, dass die Kinder möglichst Kontakt zu Gleichaltrigen haben.

„Menschen in Haft befinden sich immer in einer Ausnahmesituation. Dies gilt in besonderem Maße für schwangere Frauen und Frauen mit Kindern. Diese haben mit vielen Schwierigkeiten, Ängsten und auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Vielfach steht auch das Thema einer eventuellen Kindesabnahme im Raum. Hier gilt es die Frauen zu unterstützen und ihre besondere Situation zu berücksichtigen.“

Petra Albrecht, Kontrollinspektorin in der Justizanstalt Josefstadt in Wien

Die Rechte Schwangerer und Mütter im Gefängnis gilt es gesetzlich und real auch in Ländern des Südens – wie etwa in Uganda – voranzubringen. Die Austrian Development Agency (ADA) unterstützt in Uganda mit einem Schwerpunkt ihrer Arbeit im Justice, Law and Order Sektor auch die Gefängnisverwaltung. In dem Zusammenhang wird versucht, die Lebensbedingungen für alle Inhaftierten zu verbessern.

Alle Frauen verdienen die beste Gesundheitsversorgung, wenn sie ein Kind bekommen. Wir haben die Pflicht, die Gesundheitsrechte von inhaftierten Schwangeren und Babys zu fördern und zu schützen. Wir suchen nach nachhaltigen Optionen für den Übergang von im Gefängnis geborenen Kindern und solchen, die mit ihren Müttern ins Gefängnis kommen, zurück in die Gesellschaft.“

Lydia Ssenga, Principal Rehabilitation and Reintegration Officer bei Uganda Prisons Service

542 Frauen in Haft

Der vorangegangen Text gibt die Presseaussendung vom 5. Mai 2021 wieder. Da die Inhaftierung von Frauen mit besonderen Problemlagen – wie etwa wohnortferner Inhaftierung oder Mutterschaft im Gefängnis – verbunden ist, berichtet die Blickpunkte-Redaktion regelmäßig über den Frauen(all-)tag hinter Gittern. So befinden sich mit Stichtag 1. Mai 2021 insgesamt 542 Frauen in Haft, was einem Anteil weiblicher Gefangener an der Gesamtzahl der Insass*innen von 6,40 Prozent entspricht. Eine Auswahl an Artikeln, Reportagen und Hintergrundinformationen zum Thema „Frauen(all-)tag hinter Gittern“ haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Die Plattform „Mutternacht“

Die österreichische Initiative setzt sich für die Verwirklichung des 3. nachhaltigen Entwicklungsziels der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goal, SDG) ein. Unter dem Titel „Gesundheit und Wohlergehen“ hat sich die Weltgemeinschaft zum Ziel gesetzt, „ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern“. Dazu soll neben der Sicherstellung des universellen Zugangs zu adäquaten Gesundheitseinrichtungen und Leistungen der reproduktiven Gesundheitsfürsorge, insbesondere die weltweite Müttersterblichkeit bis zum Jahr 2030 auf unter 70 je 100.000 Lebendgeburten gesenkt werden. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen möchte die Plattform „Mutternacht“ die Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken und an die Solidarität der Menschen in Österreich appellieren. Weitere Informationen zum Thema und zur „Mutternacht“ finden Sie auf der Website der NGO.

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Da Justizanstalten in unserer Gesellschaft nach wie vor Randerscheinungen sind, möchten wir auf spezifische Aspekte, Anforderungen und Fragen des Straf- und Maßnahmenvollzugs aufmerksam machen. Denn ein Mehr an Aufklärung kann sozialer Stigmatisierung entgegenwirken, Klischees abbauen und einen Beitrag in Richtung mehr Qualität in der Debatte leisten. Helfen Sie uns, diesem Thema mehr Beachtung in Gesellschaft, Politik und Öffentlichkeit zukommen zu lassen, indem Sie diesen Beitrag oder die folgenden Bildbeiträge teilen. Danke!

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