Die John Howard Society, eine Organisation, die sich für die Belange der Insassen*innen in den Justizanstalten von Saskatchewan (Kanada) einsetzt, hat einen Podcast gestartet. In „Know Justice“ werden die Erfahrungen von Gefangenen und ihren Angehörigen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

If not us, then who?

Gemäß ihrem Leitspruch „If not us, then who?” unterstützt die John Howard Society of Saskatchewan (JHSS) Personen, die gefährdet sind oder bereits mit der Strafjustiz zu tun haben. Zu den umfassenden Hilfestellungen zählen neben Sozial- und Rechtsprogrammen die Bereitstellung von Wohnungen für Jugendliche.

Podcast „Know Justice“

Um junge Menschen, die inhaftiert sind, geht es auch in Folge zwei des Podcasts „Know Justice“. Zwei Mütter berichten darin, wie es ist, ein Kind im Gefängnis zu haben, und wie weit sie gehen, um es zu unterstützen.

Hinweis auf den Podcast Know Justice der John Howard Society of Saskatchewan in Kanada

Hier finden Sie alle Episoden des Podcasts „Know Justice“.

Vater der Gefängnisreform

Die gemeinnützige Organisation ist nach dem englischen Philanthropen und Autor des 1777 erstmals veröffentlichten Werks „The State of the Prisons in England and Wales“ benannt. Es gilt als erstes Werk, das systematisch das schlechte Management und die menschenunwürdigen Bedingungen in den Gefängnissen von Großbritannien, Irland und Kontinentaleuropa darstellte. Zu Howards Lebzeiten wurde das Buch drei Mal neu aufgelegt. Der Preisträger des „National Award for Community Service“ der John Howard Society, Professor Gordon C. Hay (†), sah das große Interesse an Howards Arbeit in der Tatsache begründet, „dass er die Situation in den Gefängnissen ehrlich, sachlich und einfach darstellte und auf jegliche Ausschmückung und Übertreibung verzichtete“. Konflikte mit den verantwortlichen Stellen blieben nicht aus. Insbesondere in Frankreich wurde der akribische Stil und die umfassende Berichterstattung Howards zunehmend als Bedrohung wahrgenommen, weshalb er dort zur „persona non grata“ erklärt wurde.

Leseempfehlung: „The State of the Prisons in England and Wales“

Angemessene Gesundheitsversorgung als Priorität

John Howard hatte selbst Gefängniserfahrung: 1755 brach er ungeachtet der Tatsache, dass sich England und Frankreich gerade im Krieg befanden, nach Spanien auf. Das Schiff, das ihm die Überfahrt sichern sollte, wurde von Frankreich gekapert und die Passagiere inhaftiert. Erst zwei Monate später erlangte er seine Freiheit wieder. Seiner weiteren Karriere tat dies aber keinen Abbruch. 1773 wurde er zum High Sheriff von Bedfordshire bestellt und hatte die Aufsicht über das Kreisgefängnis. Schockiert über die dort und in anderen Gefängnissen herrschenden Zustände gelang es ihm, Gesetze anzuregen, mit denen die Praxis abgestellt wurde, dass Gefängniswärter von den Gefangenen bezahlt wurden, und Richter verpflichtete, für die Gesundheit der Gefangenen zu sorgen. Saubere Unterkünfte und eine angemessene Gesundheitsversorgung blieben fortan oberste Prioritäten des Reformers, der sich bis an sein Lebensende mit ansteckenden Krankheiten beschäftigte, um Möglichkeiten zur Begrenzung ihrer Ausbreitung zu finden. 

Professor Gordon C. Hay recherchierte ausführlich zu Leben und Werk von John Howard, dabei entstand diese Kurzbiografie.

Grundstein für internationale Reformbewegungen

Durch seine Arbeit legte John Howard den Grundstein für Bewegungen, die umfassende Reformen des Strafrechts und Veränderungen in den Gefängnissen forderten, so etwa die 1866 in Großbritannien gegründete Howard Association zur „Förderung einer reformatorischen und einträglichen Gefängnisarbeit und [die] Abschaffung der Todesstrafe“. 1921 fusionierte die Association mit der im Jahr 1907 entstanden Penal Reform League zur „The Howard League for Penal Reform”. Die noch heute aktive Liga betreibt unter anderem einen Rechtsdienst für Kinder und Jugendliche in Haft und klärt mittels Kampagnen über wichtige Themen im Zusammenhang mit dem Strafrechtssystem auf.

Nur ein Jahr nach der Gründung der britischen Howard Association formierte sich die kanadische John Howard Society. Die heute mit Zweigstellen und Büros in über 60 Gemeinden in ganz Kanada aktive Non-Profit Organisation arbeitet mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen, um sie beim (Wieder-) Aufbau eines Lebens nach der Haft zu unterstützen. Auch in der Provinz Saskatchewan, eine von insgesamt zehn kanadischen Provinzen, ist die Gesellschaft aktiv. Einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der John Howard Society gibt auch Podcast-Gastgeber Blair Roberts in der Eröffnungsepisode von Know Justice.

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