Kakerlakenbefall in der JA-Josefstadt

Die Justizanstalt Josefstadt musste die Anstaltsküche und die Bäckerei schließen. Grund dafür war und ist auch weiterhin: Schädlingsbefall.

Die Anstalts- sowie Beamtenküche der Justizanstalt Wien-Josefstadt versorgt rund 1.200 Häftlinge und zusätzlich noch um die 500 Bediensteten (Justizwache, Fachdienste und sonstiges Personal) und auch die Bäckerei der Justizanstalt in der Josefstadt versorgt alle mit Gebäck. Doch auf einmal blieben die Öfen kalt und die Teller leer. Bei einer Routine-Folgeüberprüfung durch das Marktamt am 28. Februar 2018 wurde Schädlingsbefall durch Kakerlaken und anderes Ungeziefer entdeckt. Dem vorangegangen war bereits eine Kontrolle durch die Behörde, verbunden mit einer Frist zur Behebung der hygienischen Probleme.

Kakerlaken zählen mit zu den gefährlichsten Schädlingen für den menschlichen Körper. Vor allem in der Küche können gesundheitliche Gefahren durch Kakerlaken ausgelöst werden. Lagern die Tiere ihren Kot oder Speichelreste auf unbedeckten Speisen ab, besteht die Möglichkeit, dass beim Menschen schwere Allergien und Ekzeme bis hin zu Asthma ausgelöst werden. Aber es können auch weitaus schlimmere Krankheiten wie Salmonellen, Milzbrand, Tuberkulose, Hepatitis oder Typhus übertragen werden. Als Fazit lässt sich sagen, dass die gesundheitlichen Gefahren durch Kakerlaken enorm sind und sie deshalb so wirksam wie möglich bekämpft werden müssen.

Alles unter Kontrolle?

„Als die Schädlinge aufgetaucht sind, haben wir sofort eine Sperre erlassen“, erklärte Justizministeriums-Sprecherin Britta Tichy-Martin gegenüber der Tageszeitung „HEUTE“. Betroffenen zufolge sind die Schädlinge in der Josefstadt aber weder eine Neuheit noch selten. In den Gängen und den Hafträumen kommt es immer wieder zu Sichtungen der ungustiösen Insekten – und dies schon seit Jahren. Das Marktamt überprüft regelmäßig die Einrichtungen der Justiz, zu solch einer drastischen Maßnahme ist es bislang aber noch nie gekommen. Weiter erklärte das Justizministerium dazu: „Es gibt keine Erkrankungen, die damit in Zusammenhang stehen.“

Die Geräte der Großraumküchen schaffen ein angenehmes Klima für die Schaben. Man sei bei einer Überprüfung auf die Schaben aufmerksam geworden. Danach wurden die Anstalts- und Beamtenküche sowie die Bäckerei geschlossen. Die Versorgung der rund 1.200 Häftlinge sei gewährleistet, niemand müsse hungern. Andere Anstalten würden zuliefern, auch bei der Landesverteidigung sei um Hilfe angesucht worden. Um den hygienischen Standard schnell wiederherzustellen, wurden auch zwei Spezialfirmen herangezogen, die Erfahrung mit Haftanstalten haben.

Bislang wurden Köder ausgehängt und großflächig Chemikalien gesprüht. Wann die Küche und die Bäckerei wieder in Betrieb genommen werden können, ist noch nicht bekannt. Die in der Justizanstalt Josefstadt untergebrachten Häftlinge freuen sich zwischenzeitlich über die Zulieferung der Nahrung durch das Bundesheer. Ein Häftling meinte: „Das Essen ist weitaus besser. Sonst sind es hauptsächlich Nudeln, Reis und Kartoffeln, die den Weg auf den Teller finden. Jetzt haben wir einmal eine Abwechslung und das Essen ist viel schmackhafter.“ Vielleicht ist das auch ein Ansporn für die Gefängnisleitung die eintönigen Menüfolgen abzuändern.

Arbeit in der Bäckerei besonders begehrt

In dem überbelegten Gefängnis, es wurde ursprünglich für 900 Häftlinge konzipiert, ist Arbeit von Häftlingen in den Systemerhaltungsbetrieben notwendig. Von den derzeit dort verwahrten 1.200 Häftlingen arbeitet etwa ein Drittel in der Anstalt selbst. Besonders begehrt ist unter den Häftlingen gerade die Gefängnisbäckerei. Mit der Schließung der Bäckerei und der Küche sind auch viele Häftlinge „arbeitslos“ geworden.

Wie lange die Küchen und die Bäckerei nun geschlossen bleiben müssen, ist noch offen. Zwei Schädlingsbekämpfungsunternehmen wurden beauftragt und ein Maßnahmenplan wurde erstellt. Wir werden berichten, wie sich die Lage entwickelt und wann die Justizanstalt Josefstadt frei von Kakerlaken ist.

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