„Justizanstalt Bauernhof“

Für Strafgefangene ist der Weg zurück in ein normales Leben meist steinig. Jedoch gibt es Initiativen, die den Wiedereinstieg erleichtern.

Jahre hinter Gittern, weitgehend abgeschnitten von der Außenwelt, von sozialen Kontakten. Ohne entsprechende Vorbereitung und Begleitung wieder in ein normales Leben zurückzufinden, gelingt nur wenigen Inhaftierten. Resozialisierung inklusiver professioneller Begleitung ist dafür die Zauberformel. Ein wichtiges Instrument dafür ist der sogenannte gelockerte Strafvollzug.

Vollzugslockerungen

Für Straftäter, die gegen Ende ihrer Haftzeit eine Vollzugslockerung gewährt bekommen haben, bieten mehrere Justizanstalten die Möglichkeit, diese Restzeit so zu gestalten, damit sie schrittweise auf ein normales Leben in der Gesellschaft vorbereitet werden können. In Österreich gibt es einige Außenstellen von Justizanstalten, die dafür beispielgebend sind und gemeinhin als „Justizanstalt Bauernhof“ bezeichnet werden.

Für eine Verlegung in eine solche landwirtschaftliche Anstalt gelten bestimmte Voraussetzungen wie etwa die Vermeidung des Missbrauchs der Vollzugslockerung plus eine zeitliche Begrenzung mit der voraussichtlichen Dauer der Reststrafe 18 bis max. 24 Monate.
Ein Beispiel für eine solche Einrichtung ist in Münchendorf, Außenstelle der JA Hirtenberg und JA Favoriten, in der ein landwirtschaftlicher Betrieb sowohl Arbeit wie auch die Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit bietet.

Vorzeigebeispiel JA Klagenfurt-Rottenstein

Eine weitere „Justizanstalt Bauernhof“ befindet sich in Kärnten, in der JA Klagenfurt-Rottenstein. Ein gepflegtes landwirtschaftliches Anwesen, bei dem man gar nicht auf den Gedanken kommt, dass dieses eine Haftanstalt sein könnte. Es gibt keine sichtbaren strengen Sicherheitsvorkehrungen wie Mauern oder Zäune.

Die rd. 50 Inhaftierten im Alter von ca. 25 bis 40 Jahren bewegen sich frei und lernen Tätigkeiten, die für das Funktionieren eines landwirtschaftlichen Betriebes notwendig sind: die Reparatur landwirtschaftlicher Geräte, sie widmen sich dem Anbau und der Ernte von Obst und Gemüse, kümmern sich um Rinder, Schweine und züchten das mittlerweile seltene Kärntner Brillenschaf. Zusätzlich zu den landwirtschaftlichen Tätigkeiten können die Gefangenen andere Dienstleistungen übernehmen oder die Bauern in der Nachbarschaft bei der Pflanzung und Ernte unterstützen bzw. als Freigänger in Unternehmen einer Erwerbsarbeit nachgehen.

Dies alles geschieht unter Anleitung und Mithilfe von Justizwachebeamten und Sozialarbeitern. Revierinspektor Johann Schneeweiß, Justizwachebeamter in Rottenstein, meint dazu im Interview mit jailshop: „Unsere Außenstelle zeichnet sich durch die Arbeit mit den Insassen aus. Wir sind Justizwachebeamte, die neben der normalen Tätigkeit der Bewachung und Betreuung, die Insassen bei der Arbeit anlernen, anleiten, mit ihnen die Tätigkeiten in der Landwirtschaft durchführen“. Die Erzeugnisse sind nicht nur direkt für Bewohner des Bauernhofs gedacht, sondern es wird auch die JA Klagenfurt mit diesen Lebensmitteln versorgt.

Im Interview mit jailjob gibt Brigadier Peter Bevc, Leiter der JA Klagenfurt, zu bedenken, dass hier die zusätzlich angebotenen Therapien durch die Arbeit mit Tieren und in der Natur besser anschlagen als in geschlossenen Anstalten: „Landwirtschaft bedeutet auch, dass Gefangene hier Therapieangebote bekommen, beispielsweise Entwöhnung von Alkohol, Entwöhnung von Suchtgiften.“

Die Regeln der Haftanstalt müssen streng befolgt werden – auch wenn diese ein Bauernhof ist und ein gewisses Freiheitsgefühl vermittelt. Bei Verstoß wie Alkohol- oder Drogenkonsum wird die Vollzugslockerung sofort beendet und der Betroffene kommt zurück in den Normalvollzug.

Bewährtes Modell

Im Jahr 2013 feierte die JA-Außenstelle Rottenstein ihr 60jähriges Bestehen. In der umfangreichen Berichterstattung der Kleinen Zeitung Kärnten zu den Feierlichkeiten wird der damalige Leiter, Hans Steiner, zitiert: Rottenstein soll den „Strafgefangenen mit guter Führung eine Strafverbüßung nach modernen Grundsätzen“ ermöglichen. Ein Leitgedanke, der hier nach wie vor gilt.

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