25 Prozent aller Insassen der ganzen Welt sind in US-amerikanischen Gefängnissen. Nach ihrer Entlassung finden ca. 70 Prozent der ehemaligen Inhaftierten langfristig keine Arbeit. Aus der festen Überzeugung heraus, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient, unterstützt PEP ehemalige Inhaftierte bei ihrem Neustart.

Als „ex-cons“ (US-amerikanisch für Person, die ihre Haftstrafe abgesessen hat) gebrandmarkt, hat man es besonders schwer, wieder Fuß zu fassen. Je nachdem, wie lange die Inhaftierung angedauert hat, kann der gesellschaftliche und sozioökonomische Rückstand immens sein. Eine ehrliche Arbeit mit fairen Arbeitsbedingungen kann schon eine große Herausforderung sein. Eine Rolle dabei spielen natürlich der Bildungsstand und die vorherige Berufserfahrung. Menschen, die straffällig werden, haben zumeist einen unterdurchschnittlichen Bildungsstand und hatten es oft schon vor der Verurteilung schwerer am Arbeitsmarkt. Ebenso schwierig kann sich die Wohnungssuche gestalten. Dem „Keine Wohnung – kein Job und umgekehrt“ zu entkommen, kann auch sehr fordernd sein, wenn nicht sogar das größte Problem von Ex-Insassen. Außerdem findet man das soziale Netzwerk oftmals nicht wieder, in dem man vor dem Gefängnis gelebt hat. Die Wahrscheinlichkeit, nach der Entlassung obdachlos zu werden, liegt bei über 50 Prozent. Ebenso so hoch ist die Gefahr, dann wieder straffällig zu werden und in diesem Kreislauf zu verharren.

Neuanfang fördern als Prävention

Das US-Justizministerium berichtet, dass etwa 70 Prozent aller aufgenommenen Verbrechen von vorbestraften Personen begangen werden. Daraus lässt sich die Notwendigkeit ableiten, präventiv Menschen, die ihre Haftstrafe verbüßt haben, dabei zu unterstützen, ein straffreies und selbstbestimmtes Leben zu führen. Im Idealfall beginnt bereits während des Gefängnisaufenthaltes die Vorbereitung auf das Leben danach. Die gemeinnützige Organisation PEP – Prison Entrepreneurship Program hat sich vorgenommen, Männern während und nach deren Haftstrafe beim Wiedereinstieg ist das Berufsleben und bei der Entfaltung ihres unternehmerischen Potenzials zu unterstützen. Die Säulen des Programms sind Bildung, Mentoring und Unternehmertum – getragen von zahlreichen Ehrenamtlichen. Ziel ist es, Menschen nach dem Gefängnis in Unternehmungen zu integrieren und dabei gesellschaftliche Akzeptanz und Verständigung zu erreichen. Menschen, denen der Neustart gelingt, können Ex-Insassen als Vorbilder dienen. Perspektiven werden geschaffen, Rückfälle minimiert.

„Jeder Mensch kann sich ändern“

Die Initiator*innen definieren zehn Grundwerte als Fundament – darunter zählen gegenseitige Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe und der feste Glaube daran, dass Menschen sich ändern können. Im Jahr 2004 wurde das PEP als unabhängige und gemeinnützige Organisation ins Leben gerufen. Das Programm finanziert sich größtenteils aus Zuwendungen von Mittel- und Großspender*innen. Dabei wird genau kontrolliert, wer spendet und welche Intention dahinterstecken könnte. Im Fokus stand bereits zu Beginn das Zusammenführen von freiwilligen Führungskräften und Menschen, die ihre Haftstrafe gerade hinter sich gebracht hatten. Dabei ging es jedoch nicht um einen einseitigen Nutzen oder eine soziale Geste, sondern um das Schaffen von gemeinsamen Werten und gesellschaftlicher Integration und Innovation. Dazu wurden mithilfe von Unternehmen Bootcamp- und Wiedereintrittsprogramme initiiert, welche im Idealfall in Festanstellungen münden.

Bildung als Erfolgsfaktor

Um Ex-Insassen optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, organisiert PEP in Kooperation mit Bildungsträger*innen diverse Kurse, Workshops und sogar komplette Ausbildungen in verschieden wirtschaftlichen Berufsfeldern. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit möglichen künftigen Arbeitsgeber*innen aus Wirtschaft, öffentlichem Dienst oder auch anderen gemeinnützigen Organisationen. Je nach Interesse und fachlicher Begabung können die Inhaftierten frei wählen und sich auf ihre berufliche Zukunft vorbereiten. Ebenso sollen dabei Sozialkompetenz sowie das Arbeiten im Team und in Hierarchien trainiert werden. Regelmäßige Potenzialanalysen werden durchgeführt, um Menschen optimal fördern zu können. Nach Bestehen eines strengen mehrstufigen Auswahlverfahrens ist es sogar möglich, an einer Leadership-Akademie aufgenommen zu werden und selbst als Führungskraft nach der Entlassung mit ehemaligen Inhaftierten zu arbeiten. Jährlich können bis zu 500 Männer aufgenommen werden.

Das Programm legt, neben der betriebswirtschaftlichen Ausbildung, einen weiteren Schwerpunkt auf den Bereich Persönlichkeitsentwicklung, der die ersten drei Monate der Ausbildung ausmacht. Um Kreativität und Motivation zu fördern, wird sogar ein Businessplan-Wettbewerb veranstaltet. Die Teilnehmer sollen sich eine Unternehmung überlegen, die sie nach ihrer Entlassung gründen würden, und dazu einen Geschäftsplan entwickeln. Für erfolgreiche Absolventen gibt es sogar eine Abschlussfeier mit Angehörigen im Gefängnis und ein Zertifikat der Hankamer School of Business. Für viele Inhaftierte ist dieser Anlass sogar das erste Aufeinandertreffen mit ihren Familien und Freunden seit langer Zeit.

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