Maximilian Pollux verbrachte neun Jahre und acht Monate im Strafvollzug in den Niederlanden und Deutschland, davon sieben Jahre in einer Einzelzelle.

Nach seiner Haftentlassung vor sechs Jahren hat er begonnen, mit Jugendlichen präventiv zu arbeiten, und hat dafür zusammen mit seiner Frau einen eigenen Verein, SichtWaisen e.V., gegründet. Im Interview mit Blickpunkte erzählt er von seinen Erfahrungen in der Präventionsarbeit, was Freiheitsentzug bedeutet und von seinem Roman Kieleck.

Warum hast du einen fiktiven Roman geschrieben, wo du doch viele eigene Geschichten zu erzählen hast? Und warum aus der Sicht eines Vollzugsbeamten?

Kieleck ist in Haft in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren geschrieben worden. In der letzten Nacht vor meiner Entlassung wurde es fertiggestellt. Es ist ein „Hasswerk“. Es ist kein Liebesroman, und es ist in einer Stimmung geschrieben, die so nicht mehr reproduzierbar ist. Ich könnte dieses Buch heute gar nicht mehr so schreiben. Ich bin lange nicht mehr so wütend. Ich fühle mich nicht mehr so, wie ich mich damals gefühlt habe. Kieleck handelt von einem fiktiven Justizbeamten, der alle bösartigen Eigenschaften in sich vereint, die jeder Häftling in der einen oder anderen Form schon mal erfahren hat. Es gibt keinen ganzen Kieleck, aber es gibt eine Menge kleiner.

Mich hat es gereizt, einen Roman zu schreiben, und warum aus der Sicht eines Beamten? Ich habe nie verstanden, was da los ist. Ich habe weder verstanden, wie man freiwillig in so einer Atmosphäre arbeiten kann, noch, wie man sich dort jeden Tag mit schlechter Laune einfinden kann. Vielleicht hilft der Spruch: „Wenn du Tiere hasst, warum arbeitest du im Zoo?“ Das ist vielleicht überspitzt formuliert, aber wenn ich mit Gefängnisinsassen nicht kann, wenn ich Kriminelle nicht mag, wenn ich kein Herz für jemanden habe, der gegen die Regeln verstößt, wie kann ich dann im Gefängnis arbeiten? Das muss der schlimmste Ort sein, um zu arbeiten! Nur so habe ich mir erklären können, wie man den Gefangenen gegenüber derart feindselig wird.

Kieleck – Maximilian Pollux

In Kieleck ist nichts wirklich erfunden. Ich habe Zusammenhänge erdichtet, habe eine Storyline erfunden; aber die einzelnen Ereignisse, die hier beschrieben sind, sind so oder so ähnlich passiert – und das in den „luxuriösesten Gefängnissen der Welt“, nämlich in Deutschland und Österreich, wie man es immer so schön darstellt. Es ist ein Roman darüber, was eine Person, die eine Störung hat, in der „richtigen“ Position alles an Schaden anrichten kann, ohne dafür jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wir haben – wenn man etwa daran denkt, was in den Konzentrationslagern passiert ist ‒ Ähnliches im Dritten Reich gehabt, wo jemand, der einfach schlecht war, einfach ein mieser Kerl war, Millionen von Menschen töten konnte. Heute haben wir dies im Kleinen. Wie viel Einfluss ein schlecht gelaunter Parkwächter oder ein schlecht gelaunter Fahrkartenkontrolleur auf Menschen nehmen kann – das ist auch ein Beweis, was Kieleck kann: Er ist in einer kleinen Welt der unbeschränkten Macht.

Es gibt von dir folgendes Zitat: „Ich habe mich trotz Gefängnis geändert, nicht wegen dem Gefängnis.“ Was ist deiner Meinung nach der Zweck eines Gefängnisses?

Es gibt drei Gründe, warum wir hier Gefängnisse haben: Der erste Grund ist die Abschreckung. Das heißt, Gefängnisse müssen dementsprechend nicht supergut sein. Eine Strafe soll unangenehm sein. Der zweite Grund ist die Resozialisierung. Es heißt, das Gefängnis soll ein Ort sein, an dem jemand lernt, sich zu bessern. Wir sehen jetzt schon, dass diese zwei Gründe nicht wirklich zusammenpassen. Auf der einen Seite soll es unangenehm sein, auf der anderen Seite sollen wir bessere Menschen produzieren. Das passt nicht zusammen. Der dritte Grund ist der Schutz der Allgemeinheit. Ein Gefängnis dient dazu, jemanden von den anderen Menschen zu trennen, der für diese gefährlich ist. Mit dem letzten Punkt kann ich sehr gut leben, den lasse ich gelten.

Und würdest du sagen, dass das funktioniert?

Abschreckung funktioniert nicht, um Straftaten zu verhindern oder Kriminelle daran zu hindern, diese zu tun, aber durchaus als Machtmittel, um einen gewissen Status quo aufrechtzuerhalten. Also, ohne zu sehr politisch zu werden: Ich habe gerade erst mit jemandem diskutiert, der 30 Jahre in Haft war und meinte: „Das Gefängnis ist der Spiegel der Gesellschaft.“ Das stimmt meiner Meinung nach nicht. Klar, es bietet eine gewisse Art von Zerrspiegel der Gesellschaft, aber wenn du schaust, wie viele Leute in der „echten Welt“ Abitur machen und wie viele Leute im Gefängnis Abitur haben, oder wenn du guckst, wie viele Leute ein Nettoeinkommen von über 300.000 € im Jahr haben und wie viele von denen im Gefängnis sitzen, dann siehst du, wie wenig das mit der „echten Welt“ zu tun hat. Es gibt einen Deckel nach oben hin. Gerade im Jugendstrafvollzug! Du wirst als 15-Jähriger aus reichem Elternhaus, aus dem Bildungsbürgertum, nicht ins Gefängnis gehen! Da musst du schon jemanden töten. Du wirst niemals mit einer Drogengeschichte ins Gefängnis gehen. Das ist leider für arme Menschen vorprogrammiert, für jene, die wenig Bildung haben, die wenig Ressourcen haben – gerade im Jugendstrafvollzug. Da ist es auch eine gewisse Grenze.

Das ist auch ein Punkt, der in der Präventionsarbeit wichtig ist. Ist es ausreichend, nur über dieses abschreckende Bild vom Gefängnis zu reden?

Wenn man mich so hört, könnte man meinen, ich arbeite hauptsächlich mit Abschreckung. Abschreckung schreckt nur die ab, denen ich Angst machen kann. Abschreckung funktioniert nicht immer. Im Gegenteil, Abschreckung zieht Leute an. Jemanden wie mich hättest du mit Abschreckung nicht erreichen können, weil ich ein selbstzerstörerischer Mensch war. Du hättest mich nicht von meiner Tat abhalten können, wenn du mir gesagt hättest: „Das ist dein Ende, das wird dir schaden. Du wirst leiden.“ Ich wollte leiden, ich wollte Narben.

Ich habe heute mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die mir erzählt haben, dass sie eine Kampagne der bayerischen Regierung gesehen haben: Darin sieht man zuerst ein Mädchen, blühendes Leben à la Pferdemädchen – und dann, 12 Monate später, nach Konsumation von Chrystal Meth, sieht man sie ohne Zähne und mit aufgekratztem Gesicht, und alles ist im Eimer. Und was ist passiert? Ein Mädchen in meiner Gruppe hat, nachdem sie diese Kampagne sah, angefangen, Chrystal Meth zu konsumieren. Sie kommt aus dem tschechischen Grenzgebiet, und auf Nachfrage kam heraus, dass sie davor bulimisch und auf der Suche war, sich selbst kaputt zu machen. Dieses Bild schien ein eleganterer Weg für sie zu sein, sich aufzulösen. Was wurde also mit dieser Aktion erreicht? Er wurde vielleicht 80 Prozent derer, die sie gesehen haben, vor dieser tödlichen Droge Angst gemacht. Aber die 20 Prozent, die es wirklich betrifft, wurden damit nicht erreicht.

Nein, ich glaube nicht an Abschreckung. Es ist vielmehr wichtig, die Realität zu zeigen. Nicht auf eine abschreckende, sondern auf eine monotonere Weise – nicht reißerischer, sondern klarer.

Würdest du sagen, dass du in der Präventionsarbeit immer wieder diesen Wunsch nach Selbstzerstörung findest?

Ich finde den Wunsch nach Selbstzerstörung bei einer gewissen Art von Täter*innen immer wieder.

Ist dann das Gefängnis die ultimative Selbstzerstörung?

Auf der einen Seite ist es das ultimative Menschenopfer. Ich fühle mich im Nachhinein schon, als hätte ich mein Leben diesem Lebensstil, dieser Ideologie der Kriminalität geopfert. Ich habe es hingelegt. Das Motiv der Selbstzerstörung ist ein sehr häufiges, weniger in Bezug auf Knast als auf Drogenkonsum, was bei uns Männern immer ein bisschen schwerer fällt: „Noch mehr Drogen – noch bessere Party.“ Ich habe erst nach der Haft bemerkt, dass das nicht die Motivation aller Menschen ist, Drogen zu nehmen. Besonders Frauen haben oft dieses Gefühl von „ich fühl’ mich nicht gut, darum mach’ ich es. Ich fühl’ mich grad schlecht, ich kann mich nicht leiden, und wenn ich jetzt trinke oder Drogen nehme, kann ich mich wenigsten ein bisschen leiden.“ Da steckt ein selbstzerstörerischer Akt dahinter.

In deinen Videos und Büchern bekommt man den Eindruck, dass du sehr genau darüber nachgedacht hast, was du fühlst und was um dich herum passiert ist. Du hättest dich auch in eine andere Richtung entwickeln können – was ist passiert?

Als Autor habe ich sehr genau darüber nachgedacht, was ich schreibe und wie ich es schreibe. Aber in den Momenten, in denen diese Dinge passiert sind, war das nicht so. Wir sprechen von einem Zeitraum, der Jahre gedauert hat. Sieben Jahre war ich in Haft ein totales Arschloch. Ich war zu den Beamten unausstehlich, die anderen Gefangenen habe ich entweder als Mitglieder meiner Gruppe oder als Beute betrachtet. Die Fähigkeit der Reflexion war vielleicht da, aber ich habe das damals nicht gemacht. Ich habe das im Nachhinein gemacht. Ich glaube, im Gefängnis ist es leichter, am Leben zu bleiben, wenn man nicht zu viel nachdenkt. Das ist dort ein sehr striktes System, in vielen Dingen vergleichbar mit der Armee. Alles passiert immer zur selben Zeit, dann ist wieder eine lange Zeit nichts, dann passiert mal wieder was, dann ist wieder monatelang Stille. Die Zeit kann man nutzen, um sich zu entwickeln, aber das Nachdenken macht das Überleben nicht leichter.

Gibt es im Rückblick etwas, das dir bei der Entwicklung geholfen hätte?

In Deutschland sind die Gefängnisse in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Eine Haft in Bayern ist nicht zu vergleichen mit einer Haft in Berlin. Ich durfte [in Bayern] die ganze Zeit nicht telefonieren. Nie! Und in Bayern gibt es keinen Langzeitbesuch. Egal, ob du verheiratet bist oder nicht: Du wirst deine Frau nicht allein sehen können. Ich verstehe das bei Personen, die gefährlich für Frauen sind. Aber wieso soll ich nicht allein eine Frau sehen dürfen? Das verkümmert dich so, das macht dich so seltsam. Das ist so unnatürlich, das macht man nicht einmal mit einem Hund. Das hinterlässt nachhaltig Spuren. Auch in Bezug darauf, dass man immer mehr Hass in sich aufstaut.

Ich würde weg vom Sicherheitsaspekt gehen. Es zählen immer nur die Sicherheit und Ordnung der Anstalt. Das bedeutet aber auch, dass das Menschliche überhaupt nicht zählt. Mir hätte es geholfen, mit meiner Familie reden zu können. Wo ist das Problem, wenn ich jeden Tag so lange, wie ich will, mit meiner Familie telefoniere? Freiheitsentzug – das muss reichen. Da gehört nicht dazu, dass man es den Insassen noch so scheiße wie möglich macht.

Generell das Thema Annehmlichkeiten: Ich hatte keine CDs oder Kassetten, ich durfte keine Musik hören, die mir gefällt. Ich hatte Antenne Bayern, Bayern 3 und Klassik Radio. Das ist nicht meine Musik. Aber Musik ist doch ein Teil davon, wie sich Menschen beeinflussen! Wenn ich Sport machen will, motiviere ich mich mit Musik. Wenn ich lernen will, beruhige ich mich mit Musik. Das hat man uns komplett genommen. Wieso macht man den Aufenthalt im Gefängnis so unangenehm? Selbst wenn man mich in ein Fünf-Sterne-Hotel einsperrt, bin ich spätestens nach einem Jahr bedient. Egal, was sie mir alles geben, ich möchte irgendwann raus. Das allein reicht eigentlich, und es sollte nicht noch so unangenehm wie möglich sein.

Hast du heute noch Flashbacks oder Albträume?

Jeden Tag! Das letzte Mal schreiend aufgewacht bin ich gestern. Und ich bin mittlerweile sechs Jahre entlassen! Wenn man im Gefängnis in Einzelhaft war, dann darf auch danach nachts nichts sein. Stell dir vor, du bist nachts allein in einem Raum und irgendwas berührt dich. Dann hast du ein großes Problem, dann bist du nämlich verrückt geworden. Das geht dir so tief in Fleisch und Blut über, dass du Probleme haben wirst, mit anderen Leuten in einem Raum zu schlafen. Wenn du dich im Traum dann auch noch daran erinnerst, wie es im Gefängnis ist … Ich hatte seit der Haft eigentlich jeden Tag Albträume.

Gibt es Menschen, die nachvollziehen können, wie du dich fühlst?

Lies die Kommentare zu meinen Videos! Ich bekomme so viel Feedback von Leuten, die in Haft waren, die sagen, „danke, dass du es so ausdrückst! Du sagst 1:1, wie es war.“ Ich habe noch von keinem, der im Knast war, gehört: „Was redest du da für Scheiße!?“ Das höre ich nur von Leuten, die diese Erfahrung nicht gemacht haben.

Was immer vergessen wird, ist, dass „Posttraumatische Belastungsstörung“ [PTBS] im Gefängnis nicht diagnostiziert wird. Das erste Mal habe ich davon gehört, als ich schon entlassen war. Es gibt in Haft zwei Psychologen für 850 Gefangene, von denen mindestens 300 bis 400 komplett verrückt sind. Also, wo sollen die zwei Psychologen anfangen? Da wurde nie gesagt, „ihr als Täter könntet traumatisiert sein“, sondern, „ihr seid das Problem, ihr löst Traumata aus. Wenn es dir jetzt nicht gut geht, dann hast du eine Depression oder eine Störung“, sei es Schizophrenie oder was auch immer. Die Diagnose PTBS habe ich dort nie gehört, bei keinem der Gefangenen. Was ein Wunder ist, denn jeder einzelne von denen wurde an seinen Haaren da reingezerrt. Von der Straße aus seinem alten Leben. An nur einem Tag war dieses Leben vorbei, und er wurde nie wieder zurück in seine Wohnung gebracht, in der er am Morgen noch war. Was ist traumatisierender? Bei meiner eigenen Festnahme war ich mir sicher, es ist eine Entführung. Ich dachte, ich werde entführt und in Scheiben geschnitten. Allein das reicht schon für eine PTBS. Danach noch zehn Jahre in einem System zu leben, das sich anfühlt, als würdest du auf dem Mars leben, während draußen deine Verwandten sterben … plus das Leben, das diese Leute vor der Haft führten. Wenn du dir Leute im Jugendknast anschaust, was die für ein Leben haben – das sind schwersttraumatisierte Menschen.

Man gesteht dem Täter bis heute nicht zu, dass er traumatisiert ist. Bei Soldaten haben wir, glaube ich, nach dem ersten Irakkrieg angefangen zu sagen, okay, ihr seid zwar freiwillig in der Armee, aber ihr habt das Recht darauf, traumatisiert zu sein. Ich glaube, es wird in den nächsten Jahren Zeit, dass wir das auch den Gefangenen zugestehen. Als ich aus der Haft kam, war ich arbeitsunfähig. Ich hatte das Glück, dass ich damals im Jobcenter einen Berater hatte, der selbst Veteran war. Er war bei der Bundeswehr gewesen und kam aus dem Kosovokrieg traumatisiert zurück und hat deshalb seinen Job verloren – so ist er im Jobcenter gelandet. Er hat mit mir geredet und innerhalb von zwei Minuten gesagt: „Sie können nicht arbeiten. Das ist eine Gefahr für das Büro, für Sie, für alle. Sie bleiben erst einmal zu Hause.“ Da bin ich aber noch dazu eine Ausnahme, weil ich mich ausdrücken und sagen konnte: „Mir geht es nicht so gut. Ich habe jede Nacht Albträume, und wenn ich ein Polizeiauto sehe, dann möchte ich rennen.“

Warum hast du mit deiner Frau zusammen den Verein SichtWaisen gegründet?

Die Frage war: Wie können wir nach einem Vortrag auch noch Ansprechpartner*in sein? Wie können wir Präventionsarbeit nachhaltiger machen? Dazu haben wir Mentor*innen mit einer bestimmten Vergangenheit gesucht, sei es mit Selbstverletzungsverhalten, Drogensucht etc. – die das aber hinter sich lassen konnten und im sozusagen „realen Leben“ angekommen sind und sich jetzt dort mit ihren Narben herumschlagen, aber gut zurechtkommen. Diese Menschen sind bei uns von der sozialen Arbeit ausgegrenzt. Kein Träger stellt dich ein, wenn du vorbestraft bist. Außerdem: Wann sollen sie denn studieren, meistens haben sie ja kein Abitur gemacht. Wir wollen, dass dieses Wissen nicht verloren geht. Über SichtWaisen geben wir diesen Leuten eine Mentor*innen-Ausbildung und machen sie so fit, dass sie als Mentor*innen mit Jugendlichen arbeiten können, die auf sie zugeschnitten ist. Das funktioniert über die Sozialarbeiter*innen, die mit den Jugendlichen bereits arbeitet. Zugeschnitten auf den Jugendlichen heißt zum Beispiel, es gibt einen Mentor, der als 15-Jähriger eine Million Euro Schulden wegen Sachschäden hat, die er gemacht hat – und heute Künstler ist. Im besten Fall werden diese Erfahrungen genutzt und den Jugendlichen so gezeigt: Diese Zeit ist vielleicht nicht verloren, sondern kann auch eine Qualifikation sein, die du – wenn du es richtig drehst! – nutzen kannst. Ich bin das beste Beispiel dafür. Ich hätte nie wieder aus dem Arbeitslosengeldbezug raus gemusst, man hatte mich komplett abgeschrieben. Und heute stellen wir mit SichtWaisen Leute ein.

Seit diesem Jahr bieten wir auch systemisches Antigewalttraining an. Ich bin selbst Antigewalttrainer, und wir machen jetzt diese Trainings, die normalerweise im Anschluss an eine Tat vom Gericht verordnet werden. Wir machen das jetzt präventiv. Wir suchen uns die Teilnehmer*innen an den Schulen oder Jugendhäusern vorab aus, damit sie nicht das Gefühl haben, „ich muss das jetzt machen, sonst kriege ich noch mehr Ärger“, sondern eher: „Ich darf das machen, ich darf Teil der SichtWaisen mit Maximilian Pollux werden.“ Deswegen ist es auch so wichtig, dass ich eine Internetpräsenz habe, damit die Leute freiwillig mitmachen. So bekommen sie diese ganzen Tools, also Werkzeuge, noch bevor sie eine Tat begehen. Wir werden sehen, ob es hilft, Taten zu verhindern. An den Schulen ist es recht einfach zu messen, ob das funktioniert: Wir zählen die Schulverweise davor und danach und sehen, ob die Gewalt an dieser Schule zurückgeht. Es ist ein Versuch, Präventionsarbeit evaluierbar zu machen, was immer sehr schwierig ist.

Mehr zum Verein von Maximilian Pollux hier:
www.sichtwaisen-ev.de

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