Die JA Klagenfurt ist an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen. Bis 2025 wird daher „die modernste Justizanstalt Österreichs“ errichtet. Mit 425 Plätzen soll der sternenförmige Bau Abhilfe schaffen. Die Kosten werden sich auf 100 Millionen Euro belaufen.

Ab 2022 wird die neue Justizanstalt, die über die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) finanziert wird, nordöstlich des Klagenfurter Flughafens errichtet. Das 80.000 Quadratmeter große Areal sorgte bereits für Kritik seitens der Opposition. Ebenso war von einem „Nobelknast“ die Rede, nachdem BIG-Geschäftsführer Wolfgang Gleissner die Kosten mit 100 Millionen Euro bezifferte.

Der Kritik ist entgegenzuhalten, dass Österreichs Justizanstalten nicht luxuriös sind. Sie wirken höchstens angenehm und gut belichtet, wovon auch die Allgemeinheit profitiert, da sich die Insass*innen generell wieder besser in die Gesellschaft eingliedern. Dieses Ziel stehe auch hinter der Errichtung der neuen Justizanstalt, so Zadić.

Christian Ragger und Christian Rausch (beide FPÖ) stellten dazu eine parlamentarische Anfrage. Alma Zadić machte in ihrer Beantwortung klar:

Ursprünglich ging man von Nettobaukosten zwischen 55 und 60 Millionen Euro aus. Diese Kosten wurden jedoch auf Basis einstiger Neubauten im Strafvollzug durch Hochrechnungen ermittelt.

Zadić rechnet für Einrichtung und Ausstattung mit Kosten von sechs Millionen Euro. Der laufende Betrieb wird sich mit etwa 23,4 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen.

Aushängeschild für Justiz und Kärnten

Der Ruf der hässlichsten Justizanstalt Österreichs eile der aktuellen JA Klagenfurt voraus, so Zadić. Dafür sieht Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer in der neuen JA das zukünftige „Aushängeschild“ des Bundeslands. Zudem spricht er von einer fatalen Signalwirkung, wenn Kärntens größter Neubau ein Gefängnis sei.

Wichtig und zugleich wegweisend für die Modernisierung der Justiz

– Alma Zadić über die zukünftige JustizAnstalt

Aktuell weist die JA Klagenfurt 307 Untergebrachte auf. Die zukünftige soll über Einzel- und Zweierzellen für 425 Personen verfügen, wobei 2/3 auf einzelbelegte Hafträume entfallen.

Unter Dach und Fach gebracht

Der Neubau soll auch eine klarere Teilung der Untergebrachten ermöglichen. Anstatt der derzeitigen acht Abteilungen soll es drei Departments zu je vier Abteilungen geben. So wird jedes Geschoß ein Department und jeder Arm eine Abteilung aufnehmen. Durch die Grundrissform können die Haftabteilungen sowohl voneinander getrennt, wie auch flexibel angeordnet werden.

Im gerichtlichen Gefangenenhaus werden Untersuchungshäftlinge sowie Strafgefangene mit einer maximalen Strafdauer von 18 Monaten entweder in erhöhter Sicherheit, im Normal-, Wohngruppen- oder gelockerten Vollzug untergebracht. Zudem ist ein freistehendes Gebäude für Freigänger*innen angedacht.

Historische Parallele

Die Justizanstalt wird durch die Josef-Sablatnig-Straße erschlossen. Der Namensgeber und gebürtige Klagenfurter galt als Pionier des Flugzeugbaus. Er stellte mehrere Rekorde in der Luftfahrt auf. 1946 verstarb Sablatnig als Insasse im sowjetischen Speziallager Buchenwald.

In diesem gab es keinerlei Beschäftigung, abgesehen vom internen Betrieb. Zudem nagte der völlige Abschluss von der Außenwelt an der Psyche der Häftlinge. Auch Angehörige wussten von den verhafteten Verwandten nichts. Die Gefangen litten unter Krankheiten, Hunger, Kälte, Ungeziefer und der drückenden Enge.

Die damaligen Zustände sind zwar keinesfalls mit heutigen Gefängnissen zu vergleichen, allerdings haben auch Österreichs Justizanstalten heute noch mit Platzproblemen zu kämpfen. Zu diesen soll es bei der neuen JA Klagenfurt jedenfalls nicht kommen. Auf Anfrage versichert das Justizministerium, dass die europäischen Standards bei der Haftraumgröße eingehalten werden.

Nach der Übersiedlung der Justizanstalt sollen die freiwerdenden Räume dem Landesgericht und der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stehen, denn auch dort herrschen seit Jahren Platzprobleme.

Der fünfarmige Stern

Bereits im Jänner 2020 wurde der EU-weite, offene Wettbewerb für die Vergabe der Generalplanung ausgeschrieben. Aus 35 eingereichten Projekten setzte sich jenes des Grazer Architekturbüros Zinterl Architekten ZT GmbH durch. Ausschlaggebend war unter anderem der sternförmige Grundriss sowie die Gliederung der verschiedenen Bereiche. Die Summe aller Grundrissflächen der Geschoße (Bruttogrundfläche) beläuft sich auf etwa 25.000 Quadratmeter.

Das Modell der künftigen Justizanstalt
Foto: Hannes Kohlmeier

Derzeit arbeitet eine Vorprojektgruppe aus Architekt*innen und Expert*innen aus dem Strafvollzug an der Detailplanung. Genauere Informationen sind nicht zu erhalten, da das Projekt der Verschwiegenheit unterliegt. Daher wurden die Plakate des Wettbewerbs für die Beurteilung gewählt. Doch zuvor noch ein Blick in die Vergangenheit.

Maschine zur Trennung und Überwachung

Wir befinden uns im Jahre 1791: Der englische Rechtsgelehrte und Sozialreformer Jeremias Bentham veröffentlicht seine Vorstellung von einem optimales Gefängnis: das Panopticon. Die Hafträume sind auf einem ringförmigen Grundriss angeordnet. Das Aufsehergebäude befindet sich in der Mitte. Zwischen den Zellen und dem Wachhaus liegt ein Luftraum.

Im Aufsehergebäude wohnen die Wärter mit ihren Familien, die damit auch bei der Überwachung unterstützen. Das Haus ist verblendet, sodass die Insassen nicht wissen, wann sie unter Beobachtung stehen. Zu den Zellen führen Sprachrohre, damit die Wärter mitlauschen und Befehle geben können.

Die Hafträume sind auf der nach innen gewandten Seite mit Gittern und nach außen mit Fenstern begrenzt. Durch die Ausrichtung der Zellen bleibt etwa einem Drittel der Insassen direktes Sonnenlicht verwehrt. Außerdem kommt es zu einer starken Geruchs- und Lärmbelästigung.

Zwar bezeichnet Bentham das Panopticon als „Maschine zur Separierung und Überwachung“, in Gruppen können die Gefangen jedoch nicht geteilt werden.

Trotz dieser massiven Nachteile wurde das Panopticon als Vorbild für mehrere Gefängnisse genommen. Hierzu zählten etwa das Western Penitentiary in den USA und das Koepelgevangenis Arnheim in den Niederlanden.

Zu groß geratenes Verwahrhaus

Wir springen in die Vereinigten Staaten und in das Jahr 1829: Im Bundesstaat Pennsylvania wird nach den Plänen des englischen Architekten John Haviland ein Gefängnis errichtet. Es handelt sich um einen klassischen Strahlenbau. Die Zellen dienen auch als Arbeitsplatz. Vom Gang aus werden sie nur durch das Personal betreten. Die Untergebrachten gelangen von der Außenseite über einzelne Vorhöfe zu den Hafträumen. Ein Vergleich zu den Kartäuserklöstern liegt nahe.

Jedoch überwiegen die Nachteile den Vorteil der übersichtlichen Innengänge: Es entstehen Probleme im Betriebsablauf und durch die unübersichtlichen Höfe.

… steife, strikte und hoffnungslose Einzelhaft, und ich denke, grausam und falsch in seiner Wirkung …

– Charles Dickens über das „Pennsylvanische System“

In den kommenden Jahren werden neue Flügel errichtet und die bereits bestehenden aufgestockt. Es entstehen 586 Hafträume. 250 Einzelzellen waren anfangs geplant. Den Insassen im Obergeschoß bleibt die Bewegung im Freien verwehrt.

Der Bau entwickelt sich zum „überdimensionierten, mittelalterlichen Verwahrhaus für Einzelhaft“, wie es der deutsche Autor Hans-Joachim Graul einmal beschreiben wird.

Zurück in die Zukunft

Zurück in die zukünftige Klagenfurter Justizanstalt: Das Preisgericht beschreibt das erstplatzierte Projekt als „Weiterentwicklung des pennsylvanischen Panoptikums“. Damit spielt es vermutlich auf den Grundriss an, denn in der Mitte des Sterns befindet sich die Aufsicht. Dadurch hat die Justizwache alle vier Gänge zu den Hafträumen im Blick.

Ein Fiasko der Vergangenheit

Heutzutage lässt sich diese Grundrissform nur noch in Spitälern oder Hotelanlagen finden − und in Klagenfurts neuer JA. In Gefängnisse hat sie in den 1970er- und 1980er-Jahren Einzug gefunden. Bei der „Flaschenhalstypologie“ reihen sich die Hafträume entlang eines Ganges aneinander. Dies verspricht eine gute Übersicht und eine schnelle Abschließbarkeit der Zellen. Jedoch belehrte uns die Vergangenheit eines Besseren:

In den Zellen wurden immer mehr Aktivitäten und Gegenstände erlaubt. Das führte zu einer Verkleinerung des Raums, anstatt zu einer Erhöhung seiner Qualität. Der Zelleneingang wurde oftmals durch Regale verstellt. Die dadurch entstandene „Gasse“ vereinfachte das Errichten von Barrikaden.

Baulich abgetrennte Nasszellen verursachten meist Nischen, die von der Haftraumtür nicht einsehbar waren. In diesen wurden oftmals Betten platziert. Jedoch wird speziell das Kopfende als privater und sicherer Bereich wahrgenommen. In Gemeinschaftszellen entstand dadurch ein möglicher Ort für Übergriffe. In der neuen Justizanstalt sind daher Sanitärboxen eingeplant.

Ein Blick hinter die Fassade

Im Nordwesten des Grundstücks ist neben den Parkplätzen das Freigänger*innenhaus angedacht: Außerhalb der Haftmauer steht es in Sichtverbindung zu der Torwache, die sich im Halbgesperre befindet. In diesem werden auch die Verwaltung, Aufnahme, Vernehmungszone sowie das Besucher*innenzentrum untergebracht. Allesamt werden sie den abgewinkelten Teil des ersten Arms bilden.

Der erste Zacken

Innerhalb der Justizanstalt wird das Gelände durch Anschüttungen und Abgrabungen in Richtung Süden abgetreppt. Die Gründe dafür sind die geringe Tragfähigkeit des Baugrunds und das bestehende Gelände.

Daraus ergibt sich ein Hofgeschoß, in dem die Küche, Werkstätten und der Sportbereich angedacht sind. Diese befinden sich im Gesperre, das auch die Einrichtungen für Insass*innen beinhaltet. Dazu zählen etwa der Verkaufsraum, Mehrzwecksaal sowie die Gebetsräume. Sie werden neben den Wachzimmern das Erdgeschoß im ersten Arm bilden. Im Geschoß darüber befinden sich die Krankenabteilung, Bibliothek und Therapieräume.

Die weiteren vier Arme

Der Zellentrakt stellt die weiteren vier Arme dar. Er dehnt sich über drei Geschoße aus, wobei Schulungs-, Gemeinschafts- sowie Fitnessräume entlang einer Seite des Ganges aufgereiht werden. Die andere ist für die Hafträume angedacht, um eine Sichtverbindung unter den Hafttrakten zu vermeiden.

Die Freibereiche, Gärtnerei und Sportmöglichkeiten werden sich zwischen den einzelnen Baukörpern aufteilen. Für eine Erhöhung der Sicherheit soll eine strikte Trennung von Inhaftierten und Auswärtigen sorgen. Auch eine Teilung der Haftabteilungen untereinander ist angedacht. Zudem sollen die Wege der diversen Benutzer*innen einander nicht kreuzen.

Ein weiter Weg

Wie bereits erwähnt, wurden die Plakate für den Wettbewerb beschrieben. Aktuell befindet sich das Projekt in der Vorentwurfsphase, die Mitte März abgeschlossen werden soll. Damit liegt vor der Fertigstellung der Justizanstalt noch ein weiter Weg. Die nächste Etappe bilden dann die Verhandlungen mit dem Finanzministerium.

Es bleibt also spannend, wie sich das Projekt entlang des Weges entwickeln wird. Trotz dieser Ungewissheit steht fest, dass wir das Projekt auch weiterhin begleiten werden, um Sie auf dem neuesten Stand zu halten.

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