O tempora o mores“; die Chinesen wünschen Menschen, denen sie nicht gewogen sind, sie mögen in aufregenden Zeiten leben. Nun, mit Fug und Recht kann man behaupten, dass wir tatsächlich in aufregenden Zeiten leben: Eine nicht enden wollende Pandemie, die unseren Bemühungen, ihrer Herr zu werden, nun mit einer Virusmutation antwortet. Rund ein Jahr ist der übliche Gang des Lebens verlangsamt und eingeschränkt, soziale Kontakte stark reduziert; Familien halten nur noch telefonisch Kontakt, so sie nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben; Unternehmer bangen um ihre Existenz; die Zahl der Arbeitslosen wird groß und größer; Krankheits- und Todesfälle sind an der Tagesordnung; Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten pendeln zwischen Aufsperren und Schließen; die Eltern sind überfordert und teils bereits verzweifelt. Und zwischen all diesen Themen irrt eine mehr und mehr ratlose Politik umher.

Charakterbefreite Menschen sichern sich Impfungen, die ihnen zu der Zeit noch nicht zustehen. Zahlreiche Pandemiegewinnler sichern sich ihre Pfründe. Ausgleichszahlungen fehlt die Zielsicherheit und werden von einigen zu deren Gunsten frisiert. All das unter Aufsicht einer mehr und mehr einfallslosen Politik.

Und was macht in der Zwischenzeit die Justiz ? Die Ministerin erfreut sich ihres Familienzuwachses. Gratulation! Und ein rühriger Vizekanzler bemüht sich interimistisch um ihre Agenden.

Als der erste Lockdown verhängt wurde, wurden die Besuche in den Justizanstalten untersagt. Durchaus vernünftig. Daraufhin wurden die Besuchsräume mit Plexiglas „spucksicher“ gemacht, auch verständlich. Aber dann kam das Österreich-Gen ins Spiel. Jede Anstalt hat eigene Regeln. Hier telefonische, dort schriftlicher Anmeldung. Meist nur ein Besucher gestattet, in manchen Anstalten zwei, die Besuchszeit reduziert auf eine halbe Stunde. Toll, wenn Eltern aus den Bundesländern für ein halbes Stündchen eine Anreisezeit von bis zu fünf Stunden auf sich nehmen sollen. Das war auch der Justiz klar, also bot man als kleinen Ausgleich Videotelefonie an. Unbürokratisch. Der gelernte Österreicher weiß, was man darunter versteht. Kurzum, auch diese Lösung holperte mehr als sie zufriedenstellte. Erwähnenswerte Ausnahme: die Justizanstalt Asten. Eigene Anmeldenummer, stets besetzt, sehr freundliche Beamte, Rückrufe und Informationen per Mail. Bravo!

Dass aber die „spucksicheren“ Besuchsräume bei jedem neuerlichen Lockdown wieder gesperrt wurden, ist aber gegen jede Logik. Und so keimt der Verdacht, dass man Corona nur allzu gerne als Ausrede für Vielerlei vorschob. Die beste Arbeitsleistung ist die, die einem erst gar nicht abverlangt wird.

Jetzt kommt als nächster Streitpunkt die Impfung der Insassen. Eingepfercht auf engsten Raum werden sie angehalten. Das Volk ist der Meinung, eine Impfung wäre ein weiteres nicht zu vertretenes Privileg der Strafgefangenen. Ein neues Phänomen ist aufgetreten – der Impfneid. Wünschen wir uns, dass ausnahmsweise in dieser Frage Vernunft und Logik obsiegen und unsere (ja unsere, auch sie sind Menschen dieser Gesellschaft und wir haben die Pflicht, ihnen die Hand zu reichen und ihnen auf dem Weg zurück zur Seite zu stehen) Insassen so bald wie möglich geimpft werden.

Denken Sie gerne darüber nach und passen Sie gut auf sich auf, herzlichst Ihr

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