Rund 3600 Bedienstete sind in den 28 Justizanstalten in Österreich beschäftigt. Etwa 3000 davon sind allein Personal der Justizwache. 

Die restlichen 600 sind Betreuungsbedienstete, wie etwa Anstaltsärzt*innen, Psychiater*innen, Psycholog*innen, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, oder Krankenpfleger*innen. Während Justizwachebeamt*innen etwa im Schnitt für 2,3 Inhaftierte verantwortlich sind, ist das Verhältnis von Betreuungsdienst zu Insass*innen eins zu 26. Während bei der Justizwache die Wahrung der physischen Sicherheit im Vordergrund steht, geht es bei dem Fachpersonal um Resozialisierung und Reintegration. Wenn man den Personalaufwand und die Mittelbereitstellung für diese beiden Bereiche gegenüberstellt wird deutlich, welchen Fokus der Strafvollzug in Österreich hat. Zuletzt wurde das Personal der Justizwache um 30% erhöht. 

Nicht so streng bei der Personalauswahl

Im Frühjahr kritisierte der Rechnungshof bereits die sinkenden Anforderungen bei der Auswahl des Personals bei der Justizwache. Hohe Auslastung der Gefängnisse dürfe sich nicht negativ auf die Qualitätsstandards der Justizwache auswirken. Besonders wurde kritisiert, dass die Anforderungen im Bewerbungsverfahren sehr stark vereinfacht wurden. So genügen bei dem Aufnahmetest mittlerweile in den Bereichen „Rechtschreibung“ und „Allgemeinwissen“ bereits 40%. Zuvor lag die Grenze noch bei 50%. Der Prüfungsteil „Rechnen“ ist bereits mit 33% aller Punkte bestanden. Im Jahr 2016 wurden die Kriterien für den positiven Abschluss des Aufnahmeverfahrens gesenkt. Zwei Jahre später wurden die sportlichen Module aus dem Verfahren gestrichen. Schon damals merkte der Rechnungshof an, dass bei der Gestaltung des Bewerbungsverfahrens und der einzelnen Teilbereiche unbedingt die Anforderungen im Berufsalltag im Blick behalten werden müssten.

Doch der Druck, Personal zu finden, war so enorm, dass dennoch weitere Erleichterungen durchgesetzt wurden.

Obwohl die Anzahl der Bewerber*innen gesunken ist, ist die Zahl der bestandenen Aufnahmeprüfungen sogar um sieben Prozent gestiegen. Trotzdem bleiben viele Planstellen unbesetzt. Zudem steht in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle von Beamt*innen der Justizwache an, was neue Lücken aufreißen wird. 

In 52 Wochen zur Justizwachebeamtin/zum Justizwachebeamten

Wer den vier-stufigen Aufnahmetest erfolgreich hinter sich gebracht hat, hat eine einjährige Ausbildung vor sich, welche mit einer Dienstprüfung endet. Die Grundausbildung zur Justizwachebeamtin/zum Justizbeamten besteht aus fünf Phasen. In den ersten drei Wochen gibt es zunächst eine theoretische Einführung zu rechtlichen Rahmenbedingungen und zum Arbeitsalltag in der Justizwache. Die zweite Phase sieht ein fünf-wöchiges Praktikum vor, in dem die Anwärter*innen praktische Erfahrung sammeln können. Die nächste Phase ist die sogenannte „Strafvollzugsakademie“ und dauert 24 Wochen. Dort wird Basiswissen unter anderem in Psychologie, Sozialarbeit und Erste Hilfe vermittelt. Außerdem werden verschiedene Rechtsfächer unterrichtet, sowie Fachenglisch und elektronische Datenverarbeitung. Auch Sport und Gesprächsführung gehören zum Lehrplan. Darauf folgt eine vier-monatige Dienst- und Anwendungsphase. Die letzten vier Wochen der Grundausbildung dienen der Wiederholung und der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. 

Viel Körperkraft, wenig Sozialkompetenz

Schon an dem Ausbildungsplan zur Justizwachebeamtin/zum Justizwachebeamten erkennt man, wo der Schwerpunkt liegt und auf welche Anforderungen die Anwärter*innen im Berufsalltag besonders vorbereitet werden sollen. In den Fächern Sozialarbeit, Psychologie, oder Erste Hilfe ist lediglich „Basiswissen“ vorgesehen. Dieser Unterricht wird nur in der Phase der „Strafvollzugsakademie“ abgehalten – diese macht gerade einmal die Hälfte der ganzen Ausbildung aus und es werden noch einige andere Fächer unterrichtet.

Demnach besteht ein sehr geringer Anteil der Ausbildung in der Entwicklung von sozialer Kompetenz, welche im Umgang mit Inhaftierten besonders wichtig ist.

Die Justizwachebeamt*innen sind die Menschen, zu welchen Inhaftierte, neben ihren Mitinsass*innen, den meisten Kontakt haben. Es ist sowohl für die physische Sicherheit als auch für die Entwicklung der Inhaftierten wichtig, dass das Personal der Justizwache hohe Sozialkompetenz mitbringt und in Konfliktsituationen deeskalierend reagieren kann. Ebenso können dadurch auch einige Konflikte bereits vermieden werden. Vorfälle, in denen Justizwachebeamt*innen oder Inhaftierte sowohl psychisch als auch körperlich zu Schaden kommen, müssen verhindert werden. Dazu bedarf es einerseits einer stärkeren Verankerung von sozial-kommunikativen Fähigkeiten in der Ausbildung der Justizwache, aber auch wesentlich mehr Personal in Betreuungsdiensten. Eine stärkere Sensibilisierung des Wachpersonals wird kaum eine zusätzliche Therapieeinheit, oder einen Termin bei Seelsorger*innen ersetzen können, aber es könnte das allgemeine Gefahrenpotential in Justizanstalten minimieren, den Alltag sowohl der Beamt*innen als auch der Inhaftierten sicherer und weniger belastend machen. 

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